Interview by Despina Dimotsi. Ausgabe 5, Sommer 2026

Dr. Theocharis Kappos wurde in Athen geboren und wuchs dort auf. Im Jahr 1999 nahm er sein Studium an der Medizinischen Fakultät Athen auf, das er 2006 abschloss. Anschließend absolvierte er eine 18 monatige Ausbildung in Allgemeinchirurgie am Metaxas-Krankenhaus. Daraufhin war er ein Jahr lang als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Wirbelsäulenklinik des Metropolitan Hospital tätig. Anschließend setzte er seine Ausbildung für 17 Monate an der Klinik für Kinderorthopädie des Kinderkrankenhauses Aglaia Kyriakou fort.

Im Jahr 2012 zog er nach Deutschland und setzte seine Facharztausbildung im Saarland fort, wo er diese im Februar 2017 erfolgreich abschloss. Seit November 2017 ist er am Sana Klinikum Offenbach tätig. Zunächst als Facharzt, übernahm er im Jahr 2020 nach seiner Spezialisierung auf die spezielle Unfallchirurgie die Position des Oberarztes; seit 2023 hat er die Position des leitenden Oberarzts der unfallchirurgischen und orthopädischen Abteilung am Sana Klinikum Offenbach.

DD: Wir heißen Sie herzlich in unserem Magazin willkommen und möchten Sie bitten, uns etwas über sich zu erzählen. Wie sind Sie zum Fachgebiet der Medizin und später zu Ihrer Fachrichtung gekommen?

TΚ: Bereits in sehr jungen Jahren war ich vom medizinischen Bereich fasziniert. Ich erinnere mich, dass ich sieben Jahre alt war, als ich meinen Eltern eröffnete, dass ich Arzt werden wolle. Die Entscheidung, Medizin zu studieren, war nicht bloß eine berufliche Wahl, sondern entsprang dem tiefen persönlichen Wunsch, zur Verbesserung der Lebensqualität von Patienten beizutragen. Während meines Studiums entdeckte ich mein besonderes Interesse für das Fachgebiet der Orthopädie, als ich einen ganzen Sommer lang ehrenamtlich in der Notaufnahme eines großen Krankenhauses in Athen tätig war. Die Orthopädie bietet vielfältige klinische Herausforderungen, erfordert rasche Entscheidungsfindung und hat einen maßgeblichen Einfluss auf den gesundheitlichen Verlauf der Patienten.

DD: Wie beurteilen Sie das Niveau der medizinischen Ausbildung in Griechenland? Worin bestehen die wesentlichen Unterschiede im Krankenhausbetrieb zwischen Deutschland und Griechenland?

TΚ: Die medizinische Ausbildung in Griechenland ist von sehr hohem Niveau und vermittelt eine fundierte wissenschaftliche Grundlage. Griechische Ärzte verfügen über eine sehr gute Ausbildung sowie ausgeprägtes klinisches Denkvermögen. Dennoch bestehen in öffentlichen und universitären Krankenhäusern häufig Defizite hinsichtlich der logistischen Infrastruktur, der organisatorischen Strukturen sowie der praktischen Ausbildung an moderner Ausrüstung. In Deutschland zeichnet sich der Krankenhausbetrieb hingegen durch eine bessere Organisation, klar definierte Rollen und strenge Protokolle aus. Es herrscht eine ausreichende Personalausstattung, eine bessere Aufgabenverteilung sowie ein stärkerer Fokus auf Qualitätssicherung und rechtssichere Dokumentation. Dies schafft ein strukturierteres und funktionaleres Arbeitsumfeld.

DD: Wie wichtig ist die Rolle der Teamarbeit (Pflegepersonal, Rettungsdienst, andere Fachbereiche)? Wie wird die Frage der Haftung und des rechtlichen Schutzes des Arztes geregelt?

TΚ: Teamarbeit ist von entscheidender Bedeutung. Pflegepersonal, Notfallpersonal und andere Fachkräfte sind ein integraler Bestandteil des Behandlungsprozesses. Die Zusammenarbeit auf der Grundlage klar definierter Rollen basiert auf gegenseitigem Respekt, eindeutiger Kommunikation und der gemeinsamen Verantwortung für die Patientensicherheit. Was den rechtlichen Schutz betrifft, so verfügt Deutschland über einen klaren Rahmen der Verantwortlichkeiten sowie eine leistungsstarke Berufshaftpflichtversicherung. Die detaillierte Dokumentation jedes medizinischen Eingriffs ist unerlässlich und schützt sowohl den Patienten als auch den Arzt.

DD: Welchen Rat würden Sie jungen Ärzten geben, die darüber nachdenken, in Deutschland zu arbeiten? Wird die Sprache dabei eine entscheidende Rolle spielen?

TΚ: Sprache ist eine grundlegende Voraussetzung. Bloße Grundkenntnisse genügen nicht; vielmehr sind ein sehr gutes Verständnis der medizinischen Terminologie sowie die Fähigkeit erforderlich, souverän mit Patienten und Kollegen zu kommunizieren. Die Sprachkompetenz wirkt sich unmittelbar auf die Qualität der ärztlichen Tätigkeit sowie auf die berufliche Integration aus. Darüber hinaus rate ich jungen Ärzten dazu, Geduld, Professionalität und die Bereitschaft zur Anpassung an ein anderes System an den Tag zu legen. Beständigkeit, die Einhaltung von Protokollen und eine gute Zusammenarbeit im Team sind Elemente, die sehr geschätzt werden.

DD: Beschreiben Sie einen typischen Tag in Deutschland, in Ihrer Klinik, nach einer schwierigen Schicht.

TΚ: Ein anspruchsvoller Arbeitstag beginnt der Tag üblicherweise mit einer detaillierten Fallvorstellung vor dem Team. Gemeinsam entscheiden wir über die weitere Behandlung der Fälle. Dabei ist es wichtig, dass jedes Teammitglied seine Meinung äußern kann, bevor die endgültige Entscheidung getroffen wird. Darauf folgen eine klinische Reevaluation der Patienten, die Durchsicht von Laborbefunden und bildgebenden Untersuchungen sowie die Planung der weiteren Therapie – und, sofern als notwendig erachtet, die chirurgische Behandlung des Patienten, häufig noch innerhalb von 24 Stunden.

DD: Was betrachten Sie als die größte Belohnung in Ihrem Beruf?

TΚ: Die größte Belohnung ist das Vertrauen des Patienten – und jener Moment, in dem man sieht, wie sich sein Zustand dank der richtigen Diagnose und Behandlung verbessert. Zu wissen, dass man maßgeblich zur Gesundheit und Lebensqualität eines Menschen beigetragen hat, ist die stärkste Motivation, weiterhin mit Hingabe und Verantwortungsbewusstsein zu arbeiten. Abschließend möchte ich meiner Frau und meinen Kindern meinen tiefsten Dank aussprechen – für die tägliche Unterstützung, die Geduld und das Verständnis, das sie mir all die Jahre entgegengebracht haben. Ihre Gegenwart und ihre Liebe sind die wichtigste Kraft hinter all meinen beruflichen Anstrengungen und Erfolgen.

Professor Dr. med Richard Sellei

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